Die exklusivste Facebook-Seite der Welt

Als Social Media und Facebook in der Marken- und Unternehmenskommunikation noch ein Hype waren, waren die Fanzahlen bei Facebook das Maß, mit dem der Praktikant/IT-Typ/Community Manager bewertet wurde. Je mehr Fans, desto besser, das war die einfache Rechnung.

Heute sagen Unternehmen, die was auf sich halten, nicht die Anzahl der Fans sei entscheidend, sondern die Interaktion der Fans mit der Seite. Klingt irgendwie nach „Qualität statt Quantität“. Klingt nach Dialog und Kundenorientierung. Im Grunde bedeutet es aber: Je mehr „Gefällt mir“-Klicks und Kommentare, desto besser. Und je mehr Fans, desto besser, denn dann gibt es auch mehr „Gefällt mir“-Klicks und Kommentare. Wieder eine einfache Rechnung, also.
Im Grunde hat sich damit nicht viel verändert, immer noch ist Masse letztendlich das entscheidende Kriterium. Das Ganze wird nur in besser klingende Sätze verpackt.

Das spürt man auch, als Fan von Facebookseiten. Kaum ein Post, der nicht auf Klicks aus ist. „Klicke gefällt mir, wenn auch du dich aufs Wochenende freust!“. „Klicke „Gefällt mir“, wenn du Schokolade magst. Teile den Beitrag, wenn du lieber herzhaft knabberst.“ „Jetzt „Gefällt mir“ klicken, den Beitrag teilen und einen Kommentar schreiben, dann kannst du ein iPad gewinnen!“ Und so weiter, das Elend nimmt kein Ende…

http://www.facebook.com/photo.php?fbid=222285994565408&set=a.216441618483179.47285.207349746059033&type=1

http://www.facebook.com/photo.php?fbid=222285994565408&set=a.216441618483179.47285.207349746059033&type=1

Schöne Beispiele für diese effekthaschende und plumpe Kommunikation auf Facebook liefert übrigens die Satire-Page Condescending Corporate Brand Page. Wer mag, kann sich hier Inspirationen für den nächsten Post holen, oder aber herzlich lachen.

Eine der wenigen Facebookseiten, die jetzt einen ganz anderen Weg eingeschlagen hat, ist die Markenseite von Grey Poupon. Grey Poupon ist ein Dijonsenf und die Facebookseite, die CP+B betreut, ist nicht für alle. Die Fan-Basis wird beschränkt, was in der Praxis bedeutet, dass jeder, der die Seite mit „Gefällt mir“ markiert, von den Administratoren wieder als Fan entfernt wird. Bei mir dauerte das knapp 15 Minuten.

Wer Fan von Grey Poupon werden möchte, muss sich tatsächlich bewerben und einen Auswahlprozess in Form einer Facebook-Applikation bestehen. Die Bewerbungsapp bewertet das eigene Profil, und prüft, ob die bisherigen Kommentare, „Gefällt mir“-Klicks, Interessen und so weiter einem Senf-Genießer und Grey Poupon-Fan „würdig“ sind. Falls nicht, wird die Bewerbung höflich abgelehnt. Nicht ohne den Verweis, man solle es ein anderes Mal vielleicht nochmal versuchen, schließliche stehe Grey Poupon auf Cinderella Stories…

Insgesamt also eine willkommene Abwechslung in der Social-Media-Welt, die Facebookseite von Grey Poupon. Schön, dass die sonstigerweise vorherrschande Fan-Jagd ein wenig aufs Korn genommen wird.
Schade, dass ich nicht als Fan angenommen wurde. Ich muss wohl zuerst noch mehr nette Dinge über Senf posten und mich als Genießer auf Facebook positionieren.

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