Amen? Hell yeah!

Amen heißt das neue soziale Netzwerk, das mit viel Werbung und einem lauten Trommelwirbel die Social-Media-Landschaft aufwirbelt.
Und es könnte gelingen, denn Amen versucht nicht, Facebook/Google+ oder Twitter nachzueifern – statt dessen verfolgt Amen ein ganz anderes Prinzip: Meinungen sollen geteilt, viral und letztendlich quantitativ belegbar werden.

Amen.

Im Namen des World, des Wide und Web: Amen.

Mit teilweise vorgefertigten Satzbausteinen können die User Personen, Orte und Dinge bewerten.
Mein erster Gehversuch dort beschäftigte sich mit meinem zweiten großen Hobby, den Brettspielen:
„Last Night on Earth is the Best Zombie Boardgame Ever„.
Die kursiven Textbausteine stammen von Amen, können aber auch per Drop-Down-Menü geändert werden:
„Last Night on Earth is the Worst Zombie Boardgame Today“ wäre mit der Amen-Semantik damit genauso möglich.
Je mehr User Meinungen bei Amen hinterlegen, desto besser kann Amen außerdem dynamische Echtzeit-Vorschläge machen. Beim Eintippen von beispielsweise „Wordp…“ schlägt Amen bereits „WordPress“ vor, und listet nach dem Auswählen auf, was andere über das Blog-Tool sagen.
Gibt es mehrere Meinungen zu einer Person/einem Ort/einem Ding können all diese Meinungen als Balkendiagramme angezeigt werden. Toll!

Auswertung

Quantitative Auswertung von Meinungen bei Amen

So weit so gut.
Ich muss gestehen, ich liebe Amen. Ich mag das Konzept, ich mag die Viralität von Meinungen, ich mag die Haptik und ich glaube an das Potential von Amen.
Nur eine Sache:
Warum zum Teufel (haha!) soll ich nur Orte nach einer erfolgreichen Geolocation meines Standortes vornehmen dürfen? Ich möchte auch Restaurants, Parks, Planetarien, Bars und Kinos bei Amen loben oder kritisieren wollen, ohne in genau diesem Moment dort zu sein.
Bitte, bitte, liebe Amen-Entwickler, macht das möglich!

PS: Ein paar Invites habe ich noch übrig, lasst mir bei Interesse einfach eure E-Mailadresse zukommen…

PPS:
Kurz bevor ich den fertigen Blogpost zu Amen veröffentlichen wollte, erhielt ich eine Rückmeldung von Amen auf mein Feedback zur Geolocation:

„Hey Anne,
Really glad you like Amen!
yes, we also realised that we need to change something with the geolocation requirement 🙂 We will allow you to amen places that are not nearby. The reason why we use geolocation though is that we can show users more information about the place and not just the name. If you just enter the text „New York Espresso Bar“, we don’t know where that place is exactly and if it’s the same „New York Espresso Bar“, that another user made an amen about.
That would make it extremely hard to give good scorecards and location information to users, for example in that case „Best Place for Coffee In Berlin“.

Using geolocation, we look at the foursquare venues and get an id for the place you selected and show you maps and see whether users are talking about the same „New York Espresso Bar“.

In any case, it’s an issue that is bothering us as well and we are hard at solving it in the upcoming weeks.
Thanks for your really great feedback. If you have any other questions or suggestions, please don’t hesitate to contact us.

Ciao!
-Your Amen Team“

Thinking in Circles+ (Teil 2)

Eben war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich:

Was sehe ich im Newsfeed?

Logischerweise sehe ich im Newsfeed genau das, was andere wie in Teil 1 beschrieben mit mir teilen. Weil das „sich-in-andere-Hineinversetzen“ nicht immer bei allen so gut klappt, dennoch hier eine kurze Aufschlüsselung:

Postet jemand anderes etwas als „Öffentlich“, sehe ich diesen Beitrag in meinem Newsfeed, sofern ich mich in einem oder mehreren Circles dieser Person befinde. Außerdem kann ich den Beitrag im öffentlichen Profil dieser Person sehen.

Postet jemand etwas an „Erweiterte Kreise“, sehe ich diesen Beitrag in meinem Newsfeed, sofern ich mich in einem oder mehreren Circles dieser Person oder in einem oder mehreren Circles einer anderen Person befinde, die in den Circles des Ur-Absenders ist. Ein Beispiel: Ich bin im Circle „Freunde“ von Marie. Marie ist im Circle „Familie“ von Paul. Wenn Paul  einen Beitrag an „Erweiterte Kreise“ veröffentlicht, sehe auch ich diesen Beitrag im Newsfeed – obwohl ich nur ein Freund von Marie bin und Paul vielleicht nie begegnet bin.

Postet jemand einen Beitrag an alle oder bestimmte Kreise, so sehe ich diesen Beitrag, sofern ich in speziell diesen Kreisen bin.

Wo muss Google nachbessern?
So weit so gut. Prinzipiell sind die Circles eine tolle Sache, eben weil sie die Realität viel besser abzeichnen als andere Netzwerke. Und gerade auch unter dem Aspekt des Teilens von Informationen und Interessen sind die Circles ein echter Fortschritt.

Für einige Nutzer ergibt sich jedoch – bedingt durch diese Struktur – das sogenannte Follower-Problem. Insbesondere „Magneten“ und Vielposter wie Sascha Lobo oder Klaus Eck nutzen Google+ einerseits um Informationen mit vielen Menschen zu teilen.. Andererseits nutzen sie den Newsfeed selbst um Informationen von ihrem relevanten Netzwerk zu erhalten. Nicht interessiert sind sie dabei an privaten Fotos und Beiträgen von Wildfremden, von denen sie aus Interesse zu einem Circle (und sei es der Circle „Nur Folgen“) hinzugefügt wurden.
Wenn ich ganz persönlich darauf pfeife, ob ich die Wall eines Herrn Knüwer oder eines Herrn Lobo zuspamme, und einen Beitrag für „Öffentlich“, „Erweiterte Kreise“ oder „Meine Kreise“ freigebe, sehen besagte Herren diesen Beitrag in ihrem Newsfeed. Das mögen vielleicht Luxusprobleme sein, aber hier sehe ich massiven Nachbearbeitungsbedarf auf Seiten von Google. Jedes Mal den Newsfeed nach jedem einzelnen eigenen Circle zu sortieren ist nicht gerade nutzerfreundlich. Und auch das Anlegen eines zusätzlichen Circles „Newsfeed“ mit allen von mir zugefügten Personen, um den NewsFeed danach filtern zu können, ist nicht optimal. Zwar möglich, aber ebenfalls nicht nutzerfreundlich und darüber hinaus ein umständlicher Redundanzansatz.

Helfen würde hier bereits die Möglichkeit beim Veröffentlichen einzelne Circles aus dem Newsfeed ausschließen zu können (z.B. den „Nur Folgen“-Circle). Wobei das immer noch viel Disziplin bei den Verfassern der Beiträge verlangt, Beiträge auch wirklich nur mit denjenigen zu teilen, die Interesse daran haben: Fotos vom letzten Urlaub also mit den Circles „Familie“ und „Freunde“ teilen – und nicht mit „Erweiterte Kreise“ oder gar „Öffentlich“

Oder aber Google versieht den „Nur Folgen“-Circle mit einer entsprechenden Funktionalität á la Twitter. Das würde nur beim Sortieren der Kontakte Disziplin erfordern, nicht aber jedes Mal beim Teilen eines Beitrages. Denkbar wäre hier auch die Möglichkeit, selbst für jeden Circle Einstellungsmöglichkeiten zu programmieren (beispielsweise „Nur Folgen“, „keine als „Öffentlich“ gekennzeichneten Beiträge, usw.).

Zumindest für den Anfang wäre außerdem eine quick&dirty-Lösung schön, wie die Einführung eines „Mute in Newsfeed“-Circles oder -Buttons.

So sieht’s aus. Ran an die Arbeit, Google.

Plus 1 für Google

Was für ein pompöses Thema, für den ersten Blogeintrag.

Google+.

Google plus +: Google+

Das soziale Netzwerk des Suchmaschinengiganten. Ein ernstgemeinter Angriff auf Facebook. Ein Versuch, ebenfalls 660 Millionen Nutzer + zu begeistern, um den blauen Riesen abzuhängen.

Ich schreibe hier „Versuch“, denn auch Googles beste Leute können den Erfolg nicht im Code vorprogrammieren. Was sie aber können, ist ihr Handwerk, und das zeigt sich bei Google+ bei jeden Klick.

Hinter der minimalen und stylischen Oberfläche verbergen sich bereits jetzt, kurz nach dem Start der ersten Testphase, eine Vielzahl an Funktionen. Nicht alle sind innovativ – aber auch Google kann das Prinzip „soziales Netzwerk“ nicht neu erfinden. So finden sich hier ähnlich gestaltete Profile wie bei anderen Netzwerken, mit dem +1-Button eine Funktion zum Bewerten und Teilen von Inhalten, Posting- und Kommentarfunktionen und so weiter.

Die gestalterisch innovative und gleichzeitig intuitive Handhabung der Circles, um Inhalte mit bestimmten Gruppen zu teilen (oder auch nicht) ist innovativ – und überzeugend. So überzeugend, dass es bereits einen Tag nach dem Beginn der Testphase einen Hack für Facebook gab, der dort genau dasselbe ermöglicht (http://www.circlehack.com/)

Was bleibt noch? Der Hangout ist wohl die bisher am weitesten in den Himmel gelobte Funktion. Und tatsächlich, der Video- und Audio-Chat ist nett. Und dass YouTube ebenfalls zum Hause Google gehört, weiß der Konzern hier geschickt zu nutzen: Beim gemeinsamen Hangout können Videos geschaut und kommentiert werden. In genau solchen Verbindungen liegt auch das große Potential von Google+. E-Mails, soziales Netzwerken, Picasa, Youtube und vieles mehr gibt es hier unter einem Dach, aus einem Guss und demnächst vermutlich hervorragend miteinander verknüpft. Ein echter Mehrwert, insbesondere für diejenigen, die einen Account für alles bevorzugen. Auch Facebook geht diesen Weg schon länger, und versucht, sich als Login-Partner zu etablieren.

Hangout-Funktion bei Google+

Es könnte also spannend werden, der Kampf der Giganten im Ring um die Gunst der Nutzer. Nur dass Facebook mit seinen bestehenden Nutzern einen so entscheidenden Vorteil hat, dass ich momentan auf Blau setzen würde. Obwohl mich Funktionalität, Design, Schnelligkeit und das einfache Festlegen von sinnvollen Sicherheitseinstellungen bei Google+ mehr überzeugen.